Schwinggabel richten

Dämpfer, Räder, Bereifung usw.

Schwinggabel richten

Beitragvon der Gärtner » 1. September 2018 19:05

Eigentlich wollte ich euch ja nur mein neues Spielzeug zeigen. Hier isses übrigens (Stahmer-Honda CX 500, Bj.1985, mit knapp 30000 km; da ist das Beste also noch lange nich von, wie man bei uns sagt...):
IMG_3189 (1024x768).jpg
Und angesichts des guten Zustandes hatte ich auch gehofft, mit einer sehr großen Inspektion davon zu kommen, aber irgendwas ist ja immer: wenn ich geradeaus fahre, steht der Lenker ein wenig schief. Ich hatte das zunächst auf die ausgejackelten Gummibuchsen der Schwingenlager geschoben und wollte darum neue einbauen, aber daran lags dann doch nicht. Als ich die Schwinge raus hatte, konnte ich nämlich sehen, daß die Gabelholme nicht so ganz parallel stehen. Meine Fragen nun:
1.) läßt sich sowas richten,
2.) kann man das selber machen oder
3.) muß man dazu die Dienste hochbezahlter Spezialisten in Anspruch nehmen?
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Gruß
Harald

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Hein Mück » 1. September 2018 19:17

Moin Harald,

ich würde mir mal anschauen, wie die Gabel am Lenkkopf eingebaut ist. Das wird gleich sein, als wenn eine normale Gabel montiert wäre. Demnach musst Du alle Schraumen an den Gabelbrücken lösen und dann die Gabelbrücken parallel ausrichten. Aber bitte vorher das Moped unterstützen, damit deine Schwingengabel nicht plötzlich ober durchrutscht.

Viel Erfolg
Gruss Chtristoph
Gruss
Christoph


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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon der Gärtner » 1. September 2018 22:12

Die Idee hatte ich auch schon. Geht aber leider nicht, weil die Gabel zusammengeschweißt ist und somit praktisch aus einem Stück besteht. Nur die obere Gabelbrücke ist geschraubt.
Gruß
Harald

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon UKO » 2. September 2018 10:34

der Gärtner hat geschrieben:....aber irgendwas ist ja immer: wenn ich geradeaus fahre, steht der Lenker ein wenig schief. Ich hatte das zunächst auf die ausgejackelten Gummibuchsen der Schwingenlager geschoben und wollte darum neue einbauen, aber daran lags dann doch nicht. Als ich die Schwinge raus hatte, konnte ich nämlich sehen, daß die Gabelholme nicht so ganz parallel stehen.


Das ist Serie bei EML. Das muss so. :smt013
Bei meinem Güllepumpengespann musste ich die obere Gabelbrücke mit 2 Mann montieren. Verlängerung in die Gabel und mit aller Kraft Richtung Loch in der Gabelbrücke drücken. Die Brücke dann mit dem Gummihammer draufprügeln. :rock:
Während der Fahrt konnte Mann das Rad eiern sehen. :smt009
Wenn sie geradeaus läuft mach Dir keinen Hals. An den - ich hoffe nur [b]etwas schiefen Lenker - wirst Du Dich schnell gewöhnen.

Achja, schönes Teil und mit so wenig Km wirst Du lange Freude dran haben. Meine war auch von Stahmer, mit Sportbootscheibe, gleiche Lackierung.
Ich habe sie später auf das Cockpit vom Chopper umgebaut.
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon gespannsachen » 3. September 2018 22:13

Moin Gärtner,

klar kannst du das richten, wenn du das kannst. :)
Ansonsten macht das ein gut ausgestatteter Schlosser
oder ein fachkundiger Gespannschrauber.
Der wohl eher, weil er weiß auf was er achten muss.
Kannst mich ja mal anschreiben.

Grüße

Peter
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Crazy Cow » 4. September 2018 12:14

Hallo Harald,

schönes Gespann. Man kann sowas natürlich richten, man kann aber auch viel falsch machen. Geh mal davon aus, dass das schon schief zusammengeschweisst wurde. Es hat hoffentlich niemand über 30tkm beim Fahren so kräftig an einer Seite ziehen müssen. :) Schau dir die Gabel an, im Bogen ist sie verstärkt, wenn du die Buchsen auf Linie bringen willst, musst du irgendwo ein gerades Stück krumm machen, andernfalls wird der Bogen unterhalb der Schweißung arg strapaziert. Peter wird das sicher hinkriegen, aber Ich denke, es ist keine Arbeit mal eben schnell. Alternativ könntest du bei Stahmer nach den Kosten für einen Tausch fragen, der hat ja noch 100 Gabeln liegen, oder alles so lassen wie es ist. Never change a running system.

Die Gabel für die CX ist ein Einzelfall, weil sie unten den Hilfsrahmen mit dem Lenkkopf verspannt. Das Lenkrohr ist aus meiner Erinnerung deshalb im Durchmesser unten dünner, aber aus Vollmaterial, so dass das Originalschloß nicht mehr verwendet werden kann. Lenkrohr und Holme sind mit der unteren, recht flachen Gabelbrücke verschweißt. Wenn da eines beim Schweißen etwas gewackelt hat, ist das die Ursache für die Schiefität. Dann steht also nicht nur der untere Teil des einen Holmes in die falsche Richtung, sondern auch das obere kurze Stück zur oberen Gabelbrücke.
Gute Fahrt, Gruß
Olaf

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon der Gärtner » 4. September 2018 20:44

Danke euch für eure Tips. Da werde ich mich dann im Winter wohl mal mit befassen, denn das Gespann läuft ansonsten tadellos geradeaus, nur der "schiefe" Lenker stört mich doch irgendwie... :roll:
Gruß
Harald

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon heubi1 » 13. September 2018 21:32

Wir haben eine ähnliche Gabel diese Jahr warm gerichtet.

Die Walter-Gabel war verschraubt, trotzdem war es sehr schwierig, da man durch die Verstärkungen der Rohre an zwei Stellen gleichzeitig erwärmen mußte.

Da muß man erst mal jemand finden der eine Anlage besitzt an der sich zwei große Schweißbrenner gleichzeitig anschließen lassen.......

Den linken Holm haben wir als Referenz genommen eine Lehre angefertigt und dann den rechten Holm nach dieser Lehre warm gerichtet.
Das Erwärmen selbst hat ca. 15 min gedauert, die Wandstärke der Gabel ist sehr groß (4mm?)

Würde ich es nochmal machen? Wahrscheinlich schon, eine neue Gabel ist fast unbezahlbar.

Grüße
Christof
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Lukas » 13. September 2018 22:31

Hallo,
Ich habe vor 10 Jahren 2300 € für eine Walter Schwinge bezahlt.
Wenn ich bedenke welche Energie dieselbe Schwinge bei meinem Unfall aufgenommen hatte, war ich bereit diese Summe zu Bezahlen.
Eine Knautschzone ist halt auch nicht vorhanden beim Gespann.
Ich will hoffen daß mir sowas in diesem Gespannfahrerleben nicht nocheinmal passiert.
Eine serienmässige Motorrad Telegabel in einem Gespann halte ich für sehr instabil.
Dimensionen wie Harley und ähnliche mal ausgenommen.
Die Lenkkräfte sind halt auch ausschlagebend.
Kommt halt auch auf die Fahrwerksgemetrie an.
Bei einer Spurbreite von 1445mm möchte ich nicht mit einem langem Nachlauf hantieren, Serpentinen in den Alpen wären die Hölle.
Fahrspaß muss halt auch vorhanden sein.
Gruß Lukas
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Crazy Cow » 14. September 2018 00:23

Hallo Harald,

ich vermute, dass deine Gabel so oder ähnlich aussieht:

cx_gabel.png


Das tückische daran ist, das beim Schweißen durchaus eine Steckachse als Schablone in den unteren Buchsen gesteckt haben kann und das Biest trotzdem beim Erkalten krumm geworden ist. Das kann mit der Reihenfolge der Schweißnähte oder vlt. sogar mit dem Drehsinn des Schweißens zu tun haben. In diesem Falle würde nach dem Richten eines unteren Rohres oder beider die Achsenflucht nicht mehr stimmen.
Nun ist trotz zarter Darstellung mein Beispiel immer noch überhöht, d.h. bei deiner Gabel sind die Ausschläge nicht so dramatisch, so dass man schon genau gucken muss und mit Hinblick auf die Achsenflucht (sie scheint ja bisher zu stimmen) würde ich mich bei Korrekturen auf die Rohre oberhalb der Schweissung konzentrieren.

Die Rohre der CX Gabel werden vor dem Biegen ganz oben auf Ø 35mm zurückgedreht. Mal angenommen, die obere Gabelbrücke könnte auf Ø40mm aufgespindelt werden, oder du fändest eine passende, dann könntest du mit zwei Exzenterbuchsen (in der Zeichnung unten rechts) die Verdrehung des Lenkers ohne zu richten korrigieren. Eine solche Reduzierhülse muss aber immer geschlitzt sein, damit die Klemmung gewährleistet ist. Ich hatte sowas (aber konzentrisch) schon einmal mit Stummelenker und TÜV Segen montiert.

Verstehe mich nicht falsch: ich empfehle dir keinesfalls, vorhandene Serienteile zu schwächen, ich bin sicher, du findest was passendes, nur du könntest dich so auf feinmechanische Art ohne große Demontage an eine Lösung herantasten. Mich würde ein falsch stehender Lenker auch maßlos aufregen, aber ich würde in Betrachtung der Sachlage weiter damit herumfahren. Ich habe mir übrigens damals für die CX beim Schlosser nach Muster einen Lenker aus 22mm Hydraulikrohr biegen lassen, der war zwar spiegelsymmetrisch, muss er aber doch nicht, oder? :)

Bis Weihnachten gibt es sicher noch weitere Lösungen.
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Stephan » 14. September 2018 05:42

Werden die Achsbohrungen VOR dem Schweissen eingebracht? Dachte die wären, wenn, dann nur vorgebohrt.


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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Crazy Cow » 14. September 2018 12:28

Stephan hat geschrieben:Werden die Achsbohrungen VOR dem Schweissen eingebracht? Dachte die wären, wenn, dann nur vorgebohrt.


Stephan


Ich meine, die CX Gabel hat unten quer gesetzte Buchsen, kann mich aber irren. Wie auch immer, wenn sie jetzt fluchten, tun sie's nach dem "richten" untenrum nimmer.
Gute Fahrt, Gruß
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon der Gärtner » 14. September 2018 20:08

Ich hab mir die Gabel eben noch mal angesehen und ein wenig gemessen, soweit das in eingebautem Zustand möglich ist. Im Lenkkopfbereich sind die Gabelrohre wohl parallel, aber untenrum nicht. Auch fluchten die Schwingenlagerbuchsen nicht so richtig. Meinen Messungen zufolge haben die Schwingenlager eine Differenz von ca. 7 mm. Genau läßt sich das natürlich erst nach Ausbau und anschließendem Vermessen der Gabel sagen. Ob das viel oder wenig ist, entzieht sich meiner Beurteilungsfähigkeit; es führt jedenfalls dazu, daß die Lenkerenden bei Geradeausfahrt bummelige 3 cm Differenz haben, und das stört mich schon erheblich. Unfallspuren konnte ich übrigens keine finden, darum vermute ich, daß es sich bei meinem Problem um eine EML-typische Fertigungstoleranz handelt. Is aber egal, passieren muß da jedenfalls was; darum werde ich mich die Tage mal mit dem Peter Cassens in Verbindung setzen und dann sehen wir weiter.
Gruß
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Stephan » 15. September 2018 09:11

Das ist nicht nur EML Typisch. Solche Lagerstellen fluchtend herzustellen scheint ein gar grosses Geheimnis der Mechanik zu sein.

Ein Mech-Zauber. . .



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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon der Gärtner » 15. September 2018 13:29

Ich bin ja kein Metaller und hab darum von sowas auch keine Ahnung, aber ich hab mir mal von einem Schweißer sagen lassen, daß man sich für serienmäßig zu fertigende Teile eine Vorrichtung baut, in die man die Einzelteile zum Zusammenschweißen einspannt, damit die Endprodukte dann nachher auch alle schön maßhaltig sind...
Gruß
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon saschohei » 15. September 2018 14:32

Hallo Jungs,

eigentlich ist das Problem mit den nicht fluchtenden Bohrungen gar keines, wenn man die richtige Reihenfolge beachtet:

Loch (Löcher) vor dem biegen/schweißen untermaßig vorbohren.

Nach dem biegen/schweißen dann vernünftig auf der Fräse oder besser noch einem Bohrwerk aufspannen und in einer Aufspannung auf Endmaß durchspindeln.

Kaum mehr Aufwand und dann passt es 100%ig. :!:

Optimal wäre noch ein Zwischengang, in dem man das Schweißkonstrukt spannungsarm glühen lässt. Haben wir hier früher immer zur Werft gebracht bei dem EML-Mist, kann wohl aber auch ein örtlicher, größerer Schweißfachbetrieb.

Wenn das in Deinem Fall nicht geht, weil ja schon falsch/schief gebohrt, würde ich darüber nachdenken, bzw. mit einem versierten Metaller darüber sprechen, ob man die Löcher nicht viel größer bohrt, eine Stahlbuchse beidseitig einschweißt und die dann danach in einer Aufspannung durchbohrt und dann maßhaltig und fluchtig durchspindelt.

Das geht sicher auch, mach ich auch gelegentlich für Kumpels bei solchen Problemen - meit bei alten Käsekrücken aus Holland.. :smt009

Viel Erfolg für Dich, Harald, und für alle anderen hier ein schönes Wochenende und liebe Grüße von der klitzekleinen Hobbywerkstatt auf der Ponderosa am Deich :-D

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Crazy Cow » 15. September 2018 19:09

Stephan hat geschrieben:Das ist nicht nur EML Typisch. Solche Lagerstellen fluchtend herzustellen scheint ein gar grosses Geheimnis der Mechanik zu sein.

Ein Mech-Zauber. . .



Stephan


Es ist die Arbeitsreihenfolge. Die Stehrohre müssen zum anschweißen der Buchsen, (die einfach nur mit drei Lagern gefüllt sind), hohl angefräst werden.
Macht man das vor dem Biegen, und schweißt die Buchsen separat, kann man mit einer Vorrichtung in die Buchsen gespannt im richtigen Winkel und in die richtige Richtung biegen.

Fräst man jedoch zuerst, weil ja auch oben zuerst abgedreht werden muss, biegt dann und hebt sich alle Schweißarbeiten bis zum Schluss auf, kann es durchaus sein, dass die Gabel krumm wird, aber die Buchsen fluchten obwohl sie Versatz haben, weil zum Schweißen der Buchsen eben ein Prügel eingesteckt wird. Genau genommen müsste also zum Richten ein langes 30er Rundeisen her, das in die Buchsen gesteckt wird. Dann beide Schenkel gleichzeitig erhitzen und richten das. Das würde aber bedeuten, dass man für die Arbeit Sand einfüllen sollte.

@Willi: die Buchsen sind m.E. nicht gehont und nicht gerieben, weil die 3 Lager seitlich nicht raus können. Aus meiner Erinnerung einfach eine innen passend gedrehte Buchse ohne Anlage. Wahrscheinlich zum durchstecken eines Hilfswerkzeuges.

PS: eine weitere Idee als Alternative zum Biegen: den Schwingbügel ausbauen, drei von den vier Laschen abtrennen und versetzt wieder naschweißen, so dass der Bügel in Richtung des Lenkers zeigt.
Gute Fahrt, Gruß
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon saschohei » 16. September 2018 06:31

Morgen Olaf,

Du hast Recht, aber ich hatte auch gar nichts von honen oder gerieben geschrieben, sondern nur davon, die Buchsen in einer Aufspannung durchzuspindeln, damit die wirklich keine Fluchtungsfehler haben.

Und das lässt sich sogar auf einer kleinen Hinterhoffräse gut realisieren, weil der benötigte Verfahrweg nur ca. 5 cm beträgt, beide Buchsen lassen sich ja mit einem Dorn gleichzeitig aufspindeln, kein ding. also selbst auf einer FP 1 oder Steinel 4 (beide horizontal eingesetzt) sollte das um Welten genauer gehen als es im Ausliefrungs-NEUZUSTAND je gewesen ist. :!:

Die Oberflächenrauhtiefe ist dabei unerheblich weil da ja eh noch die Gummi/Metallbuchsen reingepresst werden, zumindest bei den früheren EML-Gabeln war das immer so.

Nur lässt sich dann eben niemals spannungsfrei montieren, wenn die Buchsen eben nicht fluchten.

Und in der Gesamtreihenfolge muss auf jeden Fall erstmal die Schwinggabel selbst passend für die maschinenseitigen Gabelbrücken "hingedengelt" werden, auch da passte ja oft gar nichts.

Das Drama damals: Das ist so an Endkunden zur Selbstmontage verkauft worden - echt ohne Worte.

Also, wenn man heute wieder mal an den alten Sachen Hand anlegt, lieber ein paar Stunden mehr Zeit einplanen und ein paar Euro dazu, dann läuft auch das alte Geraffel wirklich prima, macht ganz breites Grinsen immerzu - und hält dann auch ewig. :lol:

Olaf, mit dem erwärmen mit Sandfüllung der Gabelrohre ist das so eine Sache...
Zumindest bei EML.
Da hatten Die Rohre früher Wandstärken von 7 mm, bei gerade mal 33 bzw, 35/37 mm Außendurchmesser. Ob Du da in die dünne Bohrung noch Sand einfüllst ist Banane, echt jetzt.

Und ich widerspreche Dir echt ungerne sondern profitiere ja oft und gerne von Deinem Wissen, aber Richtarbeiten mit Flamme an solchen Bauteilen, und erst Recht Schweißungen daran, gehören in keinem Fall in Heimwerkerhände!!!

Erinnerst Du Dich noch an die Dramen damals weil EML die oberen Federbeinaufnahmen (und bei einigen Modellen Bremabstütztungen) nicht in der neutralen Zone angeschweißt hatte...?

Also weiter viel Erfolg bei der möglichst fachgerechten Reparatur und optimierten Wiederherstellung der Gabel.

Einen schönen Sonntag und liebe Grüße von unterm Carport am Deich :-D

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Crazy Cow » 16. September 2018 11:04

morgen Willi,

nein, du hast natürlich recht, aber du denkst ja auch in Bohrwerken, entsprechend deiner maschinellen Ausrüstung, das kann ich nicht. Ich denke noch in Umspannen. Und ja: nachgearbeitet ist natürlich besser als neu, wie bei modernen Schuhen.
Gute Fahrt, Gruß
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Stephan » 16. September 2018 11:32

JaJa, EML. Die erste Schwinge die die mir geliefert hatten, damals. Anno Tuk. Da hatten die beiden Gabelbrücken 5mm Versatz :rock:

Der Herr Lieferant, seinen Namen habe ich aus meinem Gedächtniss gelöscht, riet mir dann die Schraube, welche durch die Brücken und das Lenkkopfrohr ging, bisken zu richten. Wäre doch kein Thema. . .


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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon UKO » 16. September 2018 16:22

Anfang der 2000er Jahre war ich hier im Norden bei einem Gespannbauer den ich mir ausgeguckt hatte um ein Gespann bauen zu lassen. Ist dann nix geworden, aaaber den habe ich gefragt woher er seine Schwingen bezieht. Antwort: "Die mache ich lieber selbst, dann gibt es keinen Schrott." :smt017
Er meinte die meisten Herstellen würden wohl ohne Schweißlehre bauen, und dann wird das halt krumm.
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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon onkelheri » 17. September 2018 14:40

Hallo Harald,

eines der Gespanne mit krummer EML Schwingabel welche ich zwischen 2016 und 2017 "auf dem Tisch" hatte ... Jene Gabel wurde mit Hebel und Flamme zurecht bzw. zurückgebogen. Hat mit der Werkstattunterstützung eines "Kollegen vom Fach" ca.25o€ gekostet. Rohrwandstärke ist hier um die 6mm gewesen ...
Die Achsbohrungen wurden durchs Richten wieder mittels einer Achse solange "behandelt" bis diese eben "fluffig" dort durchging. Das schöne an EML ist: man kann eigentlich nichts verschlechtern : würde man eine desolate Achsaufnahme neu anfertigen, anschweißen und bohren würde es nur besser werden. Wie wäre es mal mit Bildern vorab?

Wenn du willst tüte es ein und schick her - das kostet dich im einfachsten Fall nur das Hin und Rückporto.

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Re: Schwinggabel richten

Beitragvon Stephan » 17. September 2018 18:43

Dann hatte ich ja, bis auf den geschilderten Aurutscher, Glück mit den EML Teilen.


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