Die Beiwagenlenkung

Für das Dingeling und deren Treiber

Die Beiwagenlenkung

Beitragvon motorang » 16. Dezember 2013 10:21

Hi
zuerst dacht ich mir: wozu braucht man das?

Dann hab ich auf der Hahnbaumalm mit dem Georg geredet, der ja ein alter Uralist ist und auch Schnee gut kann. Der meinte gerade im Schnee macht das Ding endlos Sinn. Da wo ein normales Gespann im tieferen Schnee durch ein auflaufendes Beiwagenrad gebremst wird das irgendwann die Fuhre zur Beiwagenseite in den Graben zieht, da lenkt man mit der Jialing halt gegen - und das fährt wirklich rüber!

Eine bestechende Vorstellung, eigentlich!

Gryße!
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon 4Bikes10Räder » 16. Dezember 2013 17:24

Zuerst dachte ich mir: Einen gelenkten Beiwagen braucht doch ein Gespannfahrer nicht.

Tatsächlich aber muss ich jetzt sagen: Kluge Sache, das.
Die Lenkkräfte sind verschwindend gering, der Wenderadius insbesondere Rechtsherum spottet jeder Beschreibung. Macht das gefährt äußerst agil!

Hier noch ein paar technische Details dazu:
Der Lenkeinschlag wird über Bowdenzüge abgenommen, die zu einem schwarzen Kaste (Black Box...) zwischen Motorrad und Beiwagen geführt wird.
Dort wird der Lenkwinkel auf ein Stange übertragen, die so konstruiert ist dass folgende Umsetzung herauskommt.

Lenkeinschlag Vorderrad links: -45° => Lenkeinschlag Beiwagen: -5°
Lenkeinschlag Vorderrad gerade: 0° => Lenkeinschlag Beiwagen 0°
Lenkeinschlag Vorderrad rechts: 45° => Lenkeinschlag Beiwagen 25°

Bild

Ciao,
Klaus
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 16. Dezember 2013 17:53

Mal rein aus technischem Interesse eine Frage dazu.
Was passiert wenn ein Seilzug reißt?
Ist schon mal jemand mit ausgehängten Zügen gefahren?
Hat das BW-Rad einen Nachlauf oder gibt es vielleicht eine Notarretierungsmöglichkeit um ohne Züge nach Hause zu kommen?

Gruß
Michael
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Schwarzwäldler » 17. Dezember 2013 07:34

Drive by Wire.
Eine recht interessante Geschichte.
Wegen der Haltbarkeit eines Stahkabels würde ich mir jetzt weniger einen Kopf machen.
Eher wegen eines möglichen Lenkungspiels.
Das Ganze über eine Winkelscheibe umzusetzen ist simpel, aber recht fehlerunanfällig.
Grüße aus der Südheide
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Bart Sanders » 17. Dezember 2013 12:30

Michael aus Düsseldorf hat geschrieben:Mal rein aus technischem Interesse eine Frage dazu.
Was passiert wenn ein Seilzug reißt?
Ist schon mal jemand mit ausgehängten Zügen gefahren?


Hallo Michael,

Gute und öfters gestellte Frage.

Wir haben als die allererste Jialing JH600B in September 2011 bei uns auf dem Hof stand, diese Frage beantwortet. Wir hatten in dem Moment noch keine NL-Zulassung, wussten aber das der Prüfmeister uns diese Frage stellen würde. Also, zwei Bowdenzüge (in Teflon geführte dicke Seilzüge) ausgehängt und damit gefahren. Die Beiwagenradaufhängung hat einen eingebauten Nachlauf, der dafür sorgt dass das Beiwagenrad sich schön uns stabil mit bewegt wenn das Gespann eine Links - oder Rechtskurve fährt. Zwar in-aktiv natürlich aber ohne irgend einen negativen Einfluss auf die Fahrsicherheit. Klar, jetzt muss man wieder richtig an den Lenker ziehen bei Kurvenfahrten, aber auf jedem Fall kann man damit ohne Probleme nach Hause fahren. Man sollte aber besser nicht den Rückwärtsgang einlegen, dann schlägt das Beiwagenrad nach links oder rechts aus... :wink:

Wir haben damals davon einige kurze Videos gedreht und es den Prüfer dann auch gezeigt. Alles is bester Ordnung und die Maschine wurde zugelassen.

Bei Bedarf schicke ich die Videos, am besten dazu ein E-Mail an MOTORWERK: info@motorwerk.nl

Gruss!

Bart
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 18. Dezember 2013 21:59

Hallo Bart, Danke für die ausführliche Antwort. Habe ich schon fast gedacht, das Ihr das ausprobiert habt.
Auch wenn ich ein eher konventionelles starres Gespann fahre, finde ich die Geometrie die hinter den verschiedensten Konzepten steckt interessant. So z. Beispiel auch Ausführungen von Olaf zum Sidebike in der aktuellen "Gespanne". Wie wäre es mit einer Fortsetzung über die Seilzuglenkung?

Weiter viel Erfolg mit den Chinakrachern, ich finde den Import mutig von Dir. Respekt.

Gruß
Michael
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon klafin55 » 18. Dezember 2013 22:42

Hallo, Dreiradler,

noch ein paar persönliche Erfahrungen zur Jialing-Beiwagenlenkung von mir, habe seit Frühling 2013 ein Jialing-Gespann und mittlerweile 6000 km gefahren. Die Lenkung macht keinerlei Probleme und ist so einfach aufgebaut, dass ich mir da keine Sorgen mache. Mit Bowdenzügen haben Motorradfahrer doch kaum Probleme oder?

Über das einfach einzustellende Zugspiel kann man deutlich fühlbar das Ansprechverhalten der Beiwagenlenkung einstellen: Spielfrei oder sogar leicht vorgespannt wird das Gespann zum Gokart, aber recht nervös bei Geradeausfahrt jenseits der 80 km/h, außerdem geht die Lenkung wegen der höheren Seilzugreibung etwas schwerer. Man muss dann auch aufpassen und schnell reagieren, wenn man zu weit rechts fährt und das Beiwagenrad in ein Loch gerät. Nicht so straff angezogen, geht die Lenkung schön leicht und gutmütig und der Geradeauslauf ist vorbildlich, auch bei Vollgas oder Fahrbahneinfluss von rechts, aber die Agilität ist natürlich nicht mehr so ausgeprägt. Man kann sich das ja je nach Bedarf einstellen, ist eine Minutensache.

Was mich verwunderte war, dass das Seitenwagenrad nach etwa halbem Lenkeinschlag nach links wieder kehrt macht und in die Mittelstellung zurückkehrt. Nach rechts schlägt es ganz normal bis zum Anschlag ein. In Mychinamoto fand ich einen Beitrag, dass man damit das Überschlagen des Beiwagens nach vorne in Linkskurven verhindern will - nachvollziehbar, wenn da vorne noch ein Maschinengewehr dran ist.

Wir fahren natürlich ohne Maschinengewehr, deshalb wollte ich mal prüfen, ob man das nicht ändern kann, vielleicht wird die Lenkung dann noch besser. Aufgrund des einfachen Aufbaus kein Problem, ein neues Loch für die Aufnahme des vorderen Seilzugnippels gebohrt, Seilzüge umgehängt und Beiwagenfahrwerk neu eingestellt und auf geht´s zur Probefahrt.

Ergebnis: Im normalen Fahrbetrieb kaum Änderung spürbar, weil man dort selbst im Kreisverkehr nur wenig einschlägt, aber in ganz engen Linkskurven und beim Rangieren nach links eine deutliche Verbesserung. Man muß nur einen neuen Anschlag für die Lenkung bauen, sonst streift das Beiwagenrad bei Rechtsausschlag am Beiwagenrahmen und bei Linksausauschlag drückt es den Bremszylinder der vorderen Scheibenbremse am Beiwagenrad aus der Position, so dass man erst mit der Handbremse pumpen muss, um wieder einen Druckpunkt zu bekommen, aber das habe ich inzwischen gemacht.

Ich lasse das jetzt mal so und sammle weitere Erfahrungen damit. Bei der Gelegenheit: Grüße an Motorang, dessen Winterfahrerseite ich seit Jahren sehr schätze, und vielen Dank an Klaus aus Erlangen für die Initiative für diesen Stammtisch.

Viele Grüsse an alle Jialing-Fans!

Euer Klaus aus München
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon motorang » 19. Dezember 2013 09:34

Klasse Info, weil das hat mich auch schon ein wenig gewundert.

Georg meinte dass man mit Linkseinschlag das Gespann aus einer Schneewehe oder Fahrspur rausmanövrieren könne, und bei 5° Einschlag nach links konnte ich mir das nicht vorstellen. Wenns dazwischen mehr ist (und die 5° nur der Einstellwert für die Maximalposition bei LENKEReinschlag links sind) macht das Sinn.

Gryße!
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon motorang » 19. Dezember 2013 10:51

Wäre es wohl möglich mal 1-2 Bilder von der Lagerung der Beiwagenschwinge zu bekommen? Also da wo mitgelenkt wird?

Würde mich freuen!

Gryße!
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Lordhelmchen » 19. Dezember 2013 22:52

motorang hat geschrieben:Wäre es wohl möglich mal 1-2 Bilder von der Lagerung der Beiwagenschwinge zu bekommen? Also da wo mitgelenkt wird?

Hallo Klaus aus München:
Ja, bitte Bilder !
Ansosten finde ich Deine Ausführung großartig!
Habe mom. auch etwas mehr Spiel in den Seilzügen als am Anfang und fragte mich schon ob- und mit wieviel Spiel ich nachjustieren soll/muss.
Das Nachstellen werde ich erst mal auf Frühjahr verschieben. :lol:

Ansonsten bin ich froh dass bei einem Ausfall der Seilzüge nix großartiges passieren kann - Danke für den Test !

bis denn

Peter
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon dreckbratze » 20. Dezember 2013 09:43

wenn beim linkseinschlagen das rad genauso weit einschlagen würde wie beim rechtseinschlagen, wäre doch die gefahr eines überschlags viel grösser, oder?
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon motorang » 20. Dezember 2013 09:49

Beim Fahren schlägt man eh kaum ein, beim rangieren und beim Wenden schon, und da macht ein großer Einschlag Sinn.
Außerdem geht es ja eh nicht darum dass es gleichweit einschlägt, sondern eher darum ob man den Einschlag gegen Ende wieder zurücknimmt oder nicht.

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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon dreckbratze » 21. Dezember 2013 09:21

hab ich schon so verstanden, ich habe mich ungeschickt ausgedrückt. man lenkt aber schon beim gespann deutlich mehr als bei einer solo. die frage ist halt, ab wann geht das sw - rad wieder in die andere richtung; erst bei sehr weitem einschlag oder schon deutlich früher?
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon klafin55 » 21. Dezember 2013 21:28

Hallo, Dreiradler,

nochmal zum Beitrag vorher, etwa nach halbem Lenkeinschlag nach links kehrt das Beiwagenrad im Serienzustand wieder nach rechts zurück, bei Volleinschlag am Lenker nach links steht es dann gerade oder sogar leicht nach rechts. Technisch ist das auf dem ersten Blick völlig widersinnig, wer weiß, was die Chinesen sich dabei gedacht haben. Die Erklärung mit der reduzierten Kippgefahr leuchtet als einzige ein, ist aber für unseren Fahrbetrieb nicht stichhaltig, weil man bei vollem Lenkeinschlag nicht schnell fährt.

Hier nun die versprochenen Bilder:

Radaufhängung 1.JPG


Lenkung 1.JPG


Lenkung 3.JPG


Für die Änderung habe ich nur eine neue Bohrung für einen Seilzugnippel an der Lenkscheibe unten angebracht und den Lenkanschlag verändert, mit wenigen Handgriffen kann man zum Serienzustand zurückkehren.

Im normalen Fahrbetrieb merkt man nichts davon, weil man da nur wenig einschlägt, beim Rangieren und in ganz engen Linkskurven merkt man den Unterschied deutlich. Ich muss bei mir zuhause im Garten immer einen Wendeschleife fahren, dafür kann ich das dann gut gebrauchen :grin:

Die anderen Bilder von meinen Umbauten dann gleich im meinem Umbau-Fred.

Viele Grüße
Klaus aus München
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon motorang » 22. Dezember 2013 07:54

Sehr schön, danke.
Soweit ich am Treffen spionieren konnte ist die Beiwagenradaufhängung eine Einarmschwinge mit Achsschenkellenkung am Ende?

Und das Gespann hat tatsächlich einen Querstabilisator, wie die alten MZ-Gespanne, von Schwinge zu Schwinge?

Gryße!
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon klafin55 » 22. Dezember 2013 23:22

Hallo, Andreas,

genau so ist es. Die Einarmschwinge betätigt das Federbein zwar direkt ohne eine Umlenkung, aber über einen kurzen Hebel. Im Bild Radaufhängung 1 kannst Du das ganz gut sehen. Das braune Zeug im Bild ist natürlich kein Rost, sondern das Wachs von der Winterkonservierung. Die Wirkung des Stabis ist bei Kurvenfahrt deutlich zu spüren, vergleichbar mit den MZ-Gespannen. Die Schwingenachse hat einen Schmiernippel, den einzigen am ganzen Gespann. Der Federweg ist mit 60 mm leider sehr kurz, deshalb haben die Chinesen wohl auch das Federbein so hart gemacht.

Das Seitenwagenrad sitzt auf einer einseitig befestigten Achse, zum Ausbauen Achsmutter außen lösen, beide Bremssattel innen abschrauben und Rad mit Bremsscheibe von der Achse abziehen. Vorher entweder aufbocken oder das ganze Gespann nach links auf die Seite legen. Dann muss man aber unbedingt vorher den Schalthebel links abbauen, sonst bekommt der seitlichen Druck und hebelt das Schaltgestänge im Seitendeckel rechts aus. Ist nicht schlimm, aber mühsam, weil dann der rechte Seitendeckel am Motor runter muss, man kommt da nur schwer ran, weil ständig der Seitenwagen im Weg ist und die Chinesen mit Verstrebungen nicht gespart haben.

Ich hoffe, nie den Seitenwagen abbauen zu müssen, nicht weil das soviel Arbeit ist, sondern weil es schwierig werden wird, ihn wieder anzubauen wegen der zahlreichen Anschlüsse, die dabei fluchten müssen. Das kann man wohl nur zu zweit machen. Zum Glück steht das aber nicht an, für die Inspektionen kommt man auch so hin, nur zum Ölstand prüfen muss man sich einen kleinen Spiegel an einer Teleskopstange (z. B: LOUIS)besorgen, anders kommt man nicht an das Schauglas.

Es gibt ein wirklich gut gemachtes Reparaturhandbuch auf Englisch zum Gespann dazu als pdf, sehr interessant und hilfreich.

Viele Grüße
Klaus aus München
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Lordhelmchen » 23. Dezember 2013 22:19

Hi Klaus und Alle,
hat Dein Federbein am BW auch dieses Ausgleichgefäß, bzw. das Teil wo das Stickstoffpolster drin ist?
Habe ein ähnliches Showa-Federbein zerlegt um neues Öl reinzufüllen.
Vielleicht hat bei Unseren einfach das Öl eine zu große Viscosität?

Weiß ja nicht wie der Umlenkhebel innen so aufgebaut ist, aber meiner Meinung nach gehört eigentlich nicht nur ein Schmiernippel an die Schwinge, sondern auch an den Umlenkhebel ( - das Teil wo die Achse vom Beiwagenrad und die Spurstange dran ist - )
Hatte an einem anderen Fzg. schon mal dass das w. Schmiermittelmangel fest ging und den Haltekörper aufgerieben hat - der war da natürlich am Rahmen angeschweißt..... :rock:

OK, dann Frohe Weinacht noch

Peter
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon klafin55 » 25. Dezember 2013 22:14

Hi, Peter,

das Federbein mit dem separaten Druckbehälter ist mir in dem spanischen youtube-video über das Jialing-Gespann auch schon aufgefallen, leider (?) hat meine Jialing das nicht. Das bei meiner eingebaute Federbein kann man nicht zerlegen, nur die Feder kann man austauschen. Ich würde das Teil auch nicht versuchshalber zerlegen, denn es steht unter hohem Druck. Ich glaube nicht, dass zu dickes Öl das Problem ist, letztlich hat das Beiwagenrad einfach nur wenig Federweg, das hat man mit einem harten Federbein kaschiert. Wahrscheinlich ist bei voller Beladung optimal, aber wann hat man das schon?

Ein weiterer Schmiernippel am Lenkhebel der Beiwagenrad-Aufhängung wäre nicht schlecht, dann könnte man sicherstellen, dass die Lenklager frisches Fett haben. Den kann man aber sicher mit kleinem Aufwand nachrüsten, wenn sie eines Tages zum Austausch anstehen, dann muss man ohnehin alles zerlegen. Es lohnt sich übrigens, mal nachzusehen, ob die Schwingenachse der Seitenwagenrad-Schwinge richtig fest sitzt, meine war locker, dann bekommt das Seitenwagenrad Spiel und führt nicht mehr korrekt.

Schöne Festtage noch an alle Jialing-Fans

Klaus aus München
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Crazy Cow » 27. Dezember 2013 02:26

klafin55 hat geschrieben:Hallo, Dreiradler,

nochmal zum Beitrag vorher, etwa nach halbem Lenkeinschlag nach links kehrt das Beiwagenrad im Serienzustand wieder nach rechts zurück, bei Volleinschlag am Lenker nach links steht es dann gerade oder sogar leicht nach rechts. Technisch ist das auf dem ersten Blick völlig widersinnig, wer weiß, was die Chinesen sich dabei gedacht haben. Die Erklärung mit der reduzierten Kippgefahr leuchtet als einzige ein, ist aber für unseren Fahrbetrieb nicht stichhaltig, weil man bei vollem Lenkeinschlag nicht schnell fährt.


Diese Technik hat SideBike 1995 erstmalig beim Kyrnos angewendet. Warum? Sie funktioniert, hat einen praktischen Nutzen.
Man kann ein gelenktes Beiwagenrad sowohl einem Frontlenker, als auch einem Hecklenker zuordnen. Das hängt davon ab, wie schnell man fährt und wieviel Gewicht drauf ist. Bei schneller (Straßen-)Fahrt macht die normale logische Frontzuordung Sinn. Die Lenkwinkel sind gering und der Sicherheit ist es zuträglich. Bei einer langsamen engen Linkskehre hingegen zieht das rechts lenkende Seitenrad und der nach rechts wandernde Schwerpunkt die Fuhre hinten herum und verschafft dem Gefährt so einen sehr kleinen Wendekreis. Dieses Manöver geht aber voll auf die Schwingenlager der Zugmaschine und kommt wie gesagt bei schneller Fahrt nicht vor. Geht technisch gar nicht.

Das Reißen eines Bowdenzuges würde ich nicht als so harmlos wegstecken. Zwar hat das Seitenrad der Jialing einen Nachlauf, der nach Barts Aussage das Rad in Fahrtrichtung ausrichtet, nur gibt es kein Beispiel in der Fahrzeugtechnik dafür, dass das ohne Pendeln geht.
Ich nehme an, der deutsche TÜV würde wenigstens einen Lenkungsdämpfer direkt am Seitenrad verlangen. Es gibt nachlaufende Räder bisher nur in der Landwirtschaft, an gezogenen Erntegeräten.
Darüberhinaus ist die Jialing eine Geländemaschine mit typisch langen Federwegen. Der Nachlauf des Seitenrades verkürzt sich drastisch, sobald das Rad einfedert. Solange die Lenkung in Ordnung ist, kein Problem. Bei einen defekten Bowdenzug würde allein das Einfedern des Seitenrades ein Pendeln verursachen.
Die Fahrer und Liebhaber dieses Gefährtes gehen halt landläufig vom Einsatz im Schnee oder im Gelände aus. Eine Abnahme für den Straßenverkehr geht halt m.E. schon mit einer dramatischeren Betrachtung einher. Irgendeiner muss auch die Testfahrt machen und ein anderer bei 80 oder 100km/h sich trauen, den Bolzenschneider an zu setzen...

:)
Gute Fahrt, Gruß
Olaf

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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Pfuscher » 27. Dezember 2013 10:38

Crazy Cow hat geschrieben:
klafin55 hat geschrieben:Hallo, Dreiradler,

Das Reißen eines Bowdenzuges würde ich nicht als so harmlos wegstecken. Zwar hat das Seitenrad der Jialing einen Nachlauf, der nach Barts Aussage das Rad in Fahrtrichtung ausrichtet, nur gibt es kein Beispiel in der Fahrzeugtechnik dafür, dass das ohne Pendeln geht.
:)



Das Pendeln ist wohl das 'kleinste' Problem.
Eine Bremsung des SW-Rades lässt das Rad Voll nach rechts einschlagen und bei einer Linkskurve geht das SW-Rad gegen Seite Strassengraben, weil die Kurvenkräfte über den Nachlauf das Rad in Richtung 'Fahrvektor' stellen.

Gruss Pfuscher.
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Slowly » 27. Dezember 2013 11:55

Nur mal kurz so nebenbei zwischendurch:
Olaf, hast ein nettes, seriöses, neues Avatar.
Am 11.Januar wird meines 5 Jahre alt.
Dann ist mein neues fällig.
:grin:
=================
Erinnerungen gefällig?
1 Album voller Bilder "Begegnungen freundlicher Art" (wird z.Zt. überarbeitet wegen Datenschutz)
und für Oldtimer-Freaks:
1 Album "Das moderne Motorrad 1915" Fachliteratur (144 Seiten, 72 Abb.)
http://oldslowly.magix.net/
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Zweiradantrieb » 27. Dezember 2013 19:50

Moin @ll,

nun bin ich wegen des Dingelings auch hier gelandet - Danke Andreas !

Noch mal zurück: Rechts rum ist besser da der Ausschlag größer ist, richtig, merkt man aber kaum da dann der Beiwagen eh die Drehbewegung unterstützt. Links rum bringt das aber auch was, nicht so arg aber dennoch genug um in der Spur zu bleiben wenn das Beiwagenrad im tieferen Schnee bremst. Ich habe mir mal die Posts wegen der Anlenkung durchgesehen und werde da mal in einer stillen Stunde auch bei - sehr interessante Ideen !

Mitlerweile bin ich etwas auf dem Boden der Tatsachen zurück: Ein Allheilmittel ist das gelenkte Beiwagenrad nicht, mein Diesel mit 2WD geht im Schnee da immer noch ganz anders zur Sache. Auch die Dnepr MT16 haben mich gnadenlos auf der Hahnbaumalm abgehängt.

Aber dennoch: Das Dingeling ist sehr handlich, läßt sich wie ein Kinderfahrrad lenken, hat tolle Bremsen und funktioniert einfach einfach ! Auf trockener Fahrbahn ist die für 42PS sehr agil, lenkt sich absolut spurstabil, nix zu meckern. Das der Bowdenzug theoretisch reißen kann - da habe ich an meinen Russen schon ganz andere Sachen erleben dürfen. Hoffe mal das die Chinesen für das Militär da etwas haltbares konstruiert haben, wir werden sehen !
Moppeds:
HMO-BMW-Gespann 1980 im Aufbau
Jialing JH600A-B Gespann "Dingeling"
BMW R1100RS EML "Blaue Elise"
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Steyr 680g 1968 "Ruedi"
...und immer noch zu wenig !
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Bart Sanders » 31. Dezember 2013 10:52

Hallo ihr Jialing Treiber und möchten gerne.....,

Das Thema Beiwagenlenkung wird in diesem Thread fachkundig diskuttiert, da kann ich nur noch auf die Berichtreihe in Motorrad Gespanne verweisen, in der (lt. Verleger Bernd Götz) später auch die Jialing Konstruktion besprochen wird.

Im zweiten Artikel dieser Reihe stehen einige Zeichnungen von Lenkgeometrieen und die verschiedene Radien die von den einzelnen Rädern befahren werden - zum Teil wenn sie es könnten und deshalb also auch radieren.

Wenn man sich das alles anschaut und studiert, dann sieht man schnell dass dieses Thema ein verdammt Komplexes ist. In dem 2. Artikel sieht man oder ahnt man zumindest, dass in bestimmten Situationen das Beiwagenrad in Linkskurven tatsächlich eine (geringe) Rechtskurve beschreiben möchte.

Weil einige Beiträge sich hier Gedanken machen um den Bowdenzug und die Rissgefahr, habe ich ein Bild angehängt von den tatsächlich eingebauten Seilzügen. Selbst hatte ich auf die erste uns verfügbare Maschine aus Kunstleder eine Kappe genäht der mit einem Seil um die Lenkscheibe an der Lenkachse befestigt war. Alle blanke Seilzugteile schön eingefettet und damit war der Teil schon mal besser geschützt gegen Spritzwasser und so. Die zweite Lenkscheibe unten im Bootsrahmen ist unter eine Schutzkappe eingebaut. Aber, auch hier gilt: gut eingefettet halten. Bleibt nur noch die Materialermüdung im Seilzug die irgendwann dann doch für Risse in Kabelstränge sorgen wird. Das ist naturbedingt und nicht zu vermeiden. Aber, wie bei vielen anderen Motorradteilen auch, eine sorgfältige Wartung und Inspektion wird den Punkt rechtzeitig entdecken lassen wobei der Zeilzug anfängt zu reissen. Und dann kauft man sich zwei Ersatzzüge für ein Paar Euro und dann ist für lange Zeit wieder Ruhe.

Bild

und
Bild

Diese Seilzüge sind in Bestellung und werden später über unserem Webshop erhältlich sein.

Met vriendelijke groeten!

Bart Sanders
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon klafin55 » 2. März 2014 22:47

Hallo, Jialing-Fahrer,

wird Zeit, über meine endgültigen Erfahrungen mit dem Umbau der Beiwagenlenkung zu berichten. An einem Winterabend habe ich mir mal die tatsächlichen Verhältnisse aufgezeichnet. Kleine Skizze, die Verlängerung der Radachsen müssen sich beim Kurvenfahren alle in einem Punkt treffen, dann laufen die Räder um die Kurve, ohne zu radieren. Ergebnis: In Linkskurven braucht das Beiwagenrad viel weniger Einschlag als das Vorderrad, weil der Kurvenradius des außenliegenden Seitenwagenrads größer ist, als der der Zugmaschine. Glaubt man nicht, weil es in der Praxis links herum immer schwerer geht wie rechts herum, ist aber so. Also lagen die Chinesen mit der Beiwagenlenkung der Jialing doch richtig, denn links herum ist der Einschlag des Seitenwagenrads nur gering.

Mit der Erkenntnis habe ich den ganzen Umbau gestern rückgängig gemacht. Beim Probefahren zeigte sich, dass sich dadurch nicht viel verändert hat, Linkskurven gehen jetzt wieder etwas schwerer, aber das ganze Fahrverhalten ist harmonischer, außerdem haben die Reifen in der Kurve mehr Grip, weil keiner radiert. Beim Schieben des Gespanns mit eingeschlagenem Lenker nach beiden Seiten rollt das Gespann jetzt wieder viel leichter. In Linkskurven mit vollem Lenkeinschlag dreht sich das Beiwagenrad ja fast in Geradeausstellung zurück, das kommt eigentlich nur beim sehr engen Wenden zum Tragen, gibt man dann etwas mehr Gas, zieht es die Maschine auf einem engen Radius herum, dabei radiert aber das Hinterrad und zeichnet einen schönen Kreis in den Asphalt.

Fazit also: Die Chinesen haben diese Lenkung mit geringem technischen Aufwand genial ausgelegt, das funktioniert prima und man sollte nichts daran verändern. Ich hoffe, niemanden mit meinem Beitrag zu einem Umbau verleitet zu haben und freue mich nun über die persönliche Erkenntnis, die natürlich besser ist, wenn man sie sich selbst erschraubt anstatt erlesen hat.

Grüße an alle

Klaus aus München
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon MOTORWERK » 3. März 2014 11:47

Hallo Klaus!

Fazit also: Die Chinesen haben diese Lenkung mit geringem technischen Aufwand genial ausgelegt, das funktioniert prima und man sollte nichts daran verändern.


Wir haben uns leider noch nicht persönlich kennen lernen dürfen, aber wer weiss...... :wink:

Herzlichen Dank für deine Arbeit die bestimmt noch mehr Klarheit reingebracht hat. Ich denke auch dass unsere Chinesischen Konstrukteure hier saubere Arbeit geleistet haben. Die Bowdenzüge halten angeblich auch lange.

Wir bieten seit Kürzem auch Motorradreisen über unseren Partner Corner Adventures an (keine Werbung hier, ist aber Fakt). Dieser Motorrad Touroperator setzt dabei 3 Jialing JH600 Solo und 4 JH600B Gespanne ein. Zwei davon haben schon weit mehr als 40.000 Km auf die Uhr. Bei solchen Laufleistungen muss schon mal etwas erneuert werden (Kettengleitschienen z.B.) aber nicht die Bowdenzüge. Sauber und gefettet halten eben!
Mit freundlichem Gruss,

MOTORWERK
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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon Stephan » 3. März 2014 16:31

Wo wird getourt? In China? Dat wär' mal was. . .


Stephan
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Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon MOTORWERK » 3. März 2014 17:51

.....getourt? In China? Dat wär' mal was. . .


Stimmt! Hier keine Werbung - meine ich doch :roll: - also bitte mal auf unsere Website nachlesen. Der Anbieter den wir als Partner haben ist Corner Adventures.

Wie gesagt, alles auf unsere Website.
Mit freundlichem Gruss,

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Re: Die Beiwagenlenkung

Beitragvon schraddelpeter » 18. August 2014 12:46

Habe ein paar Bilder dazu gefunden. Alle Rechte dazu natürlich beim Besitzer. Ich hoffe aber trotzdem das er es erlaubt.

20100717024054484.jpg


20100717024054558.jpg


Wie ihr alle sehen könnt ziehen die Chinesen auch andere Reifen drauf.

Gruß Peter
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Wenn alles unmöglich wäre hätten wir noch nicht mal Motorräder. Von allen anderen Dingen ganz zu schweigen.

Wenn das Leben dich f.... nicht gleich aufgeben. Warte doch erst mal ab ob es danach nicht noch mit dir kuscheln will.
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